Das Rollentraining aus der Sicht eines Wildwasserkajaks

Kajak kopfüber im Wasser

Es war einmal ein regnerischer Samstag Abend in der Wintersaison…

17:00 Uhr Seit einer Woche stehe ich hier nun kühl und trocken zusammen mit den anderen Wildwasserkajaks in der Werkstatt des Hallenfreibades in Lienen und warte auf meinen Einsatz zum Rollentraining. Noch eine Stunde und es wird wieder wuselig, da die motivierten Kajak-Menschen des OKCs kommen.

18:00 Uhr Pünktlich wie immer, sind wieder mir viele bekannte Gesichter aus dem OKC am Start. Manchmal kommen auch ein paar WSV-Mitglieder vorbei oder der ein oder andere Gast kommt mit. Das finde ich immer wieder spannend, wenn mal jemand Neues probiert mit mir zu rollen und ich überraschenderweise wieder sehr schnell richtig herum gedreht aus dem Wasser auftauche. Manchmal endet das Ganze aber auch mit einer großen Ladung Wasser im Rumpf und ich werde unter Anstrengung aus dem Becken gezogen und wieder ausgeleert. Naja, passiert eben. Gehört zum Rolle lernen dazu.

18:30 Uhr Ich bin dazu auserwählt worden, einem der Anfängerinnen das Rollen auf dem Land näher zu bringen. Zack, werde ich auf die Schaumstoffmatte gezogen, meine Prallplatte zurecht geschraubt und los geht’s. Auf die Seite kippen und wieder hoch. Gar nicht so einfach. Für mich ein wenig ungewohnt, da ich sonst weniger auf dem Land gerollt werde und mich eigentlich im Wasser ganz wohl fühle. Aber so eine Rolle ist am Anfang gar nicht so einfach und irgendwie hilft es den Menschen, die Bewegung erstmal im Trockenen neben dem Becken auszuprobieren. So, noch einmal wieder auf die Seite kippen. Dieses Mal werde ich mit mehr Hüfteinsatz in meine aufrechte Position gebracht. Das sieht schon besser aus.

18:45 Uhr Endlich geht’s auch für mich ins warme Schwimmbecken. Hier fühle ich mich wohl. Das eben gelernte wird jetzt von meiner Fahrerin unter Anleitung des Trainers ausprobiert.

19:00 Uhr Rechtsherum kippen und rechtsherum wieder hoch, linksherum kippen und linksherum wieder hoch, rechtsherum kippen und … ohh nee …. huch, doch nicht… Na da war der Kopf aber zu früh aus dem Wasser. Nochmal… und zack rechtsherum wieder hoch. Na geht doch.

19:30 Uhr Kurze Pause am Beckenrand für mich. Bei den vielen Rollen, die ich gemacht habe, muss ich doch mal kurz durchatmen.

19:45 Uhr Zack, es geht wieder weiter. Prallplatte noch kurz ein Stück zurückgeschraubt und wieder ins Schwimmbecken. Diesmal sitzt ein mir gut bekannter Mensch in meiner Sitzluke, der schon viel mit mir gerollt ist. Bei manchen Rollen rollt er sich über mein Heck hoch, bei anderen Rollen probiert er mit dem Schwerpunkt seines Oberkörpers weiter vorne zu bleiben. Am Anfang rollen wir mit Paddel hoch und zwischendurch probiert mein Mensch aus, sein Paddel erst unter Wasser zusammenzustecken, bevor er wieder hochrollt. Das muss diese Herausforderung sein, von der sie alle sprechen. Heute ist mein Mensch besonders experimentierfreudig. Er hat die Idee bekommen erst unter Wasser aus mir auszusteigen, kurz an der Wasseroberfläche Luft zu holen, um dann wieder abzutauchen und über Kopf zurück in meine Sitzluke zu klettern. Schließlich rollt er mich zusammen mit einer ordentlichen Ladung Wasser in der Sitzluke und ein wenig Anstrengung wieder hoch. Kajak-Menschen sind manchmal seltsam, aber auch irgendwie ganz lustig.

20:30 Uhr Nach den ganzen Rollen bin ich echt müde und mein Mensch vermutlich auch, da seine letzten Rollen doch etwas unsauber waren, soweit ich das als erfahrenes Wildwasserkajak beurteilen kann. Schnell wird noch meine Ablassschraube aufgedreht und ich senkrecht auf mein Heck gestellt, damit auch das letzte bisschen Wasser ablaufen kann. Anschließend werde ich einigermaßen trocken wieder zu den anderen Booten in die Werkstatt getragen. Dort warte ich bis nächstes Wochenende auf meinem Einsatz und bin gespannt, wer dann alles mit mir Rollen wird. Licht aus und gute Nacht!

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